Freizeit-Wanderreiten

Fragen und Antworten zum Wandern mit dem Pferd

 

Was ist Wanderreiten?

Wanderreiten ist sicher die ursprünglichste Art der Beschäftigung mit dem Pferd. Reiter und Pferd legen eine Strecke in selbst gewählter Länge auf öffentlichen Wegen zurück und übernachten bestenfalls in Wanderreitstationen. In NRW sind Wanderreiter aufgrund der komplizierten Reitregelungen mit Ausnahme der Eifel selten.

Warum Wandern mit Pferd?

Der Geruch des Pferdes überdeckt den des Menschen. Wanderer mit Pferd schrecken Wild daher kaum auf und haben so die Möglichkeit für viele Beobachtungen in der Natur.

Was ist Wandern mit Pferd?

Mit dem Pferd zu wandern, ist ein ungewöhnliches Hobby, dem sich aber immer mehr Pferdefreunde verschreiben, zum Beispiel weil der Vierbeiner aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reitbar ist. Es ist die Entdeckung der Langsamkeit mit dem Pferd.

Kann man Wanderreiten lernen?

Die Ausbildung von Reiter und Pferd sind unbedingt Voraussetzung für ein sicheres Miteinander. Gesetzeskunde, praktische-solide Kenntnisse im Reiten, dem Training und der Pferdegesundheit bis hin zur ersten Hilfe, muss der wandernde Reiter beherrschen. Das Pferd lernt, dass ihm im Straßenverkehr keine Gefahr droht und kann sich auf seinen menschlichen Begleiter zu konzentrieren.

 

Was muss ein Wander(reit)pferd mitbringen?

Das Pferd muss vor allem seinem Menschen vertrauen. Der wiederum muss die Signale des Pferdes verstehen, zum Beispiel wenn es müde wird oder mit einer Situation überfordert ist. Das Pferd muss den Straßenverkehr kennen, ein gelassenes Wesen haben und gesund sein.

   

Wer bildet aus?

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und die Vereinigung der Freizeit- und Wanderreiter (VFD) bieten Kurse bis zur praktischen Prüfung im Wanderreiten und versorgen Interessenten mit Reitwegekarten und Stationen. Wer es richtig ernst meint, kann es in die Weitreitergilde schaffen. Aufgenommen wird, wer mehr als 1000 Meilen (über 1600 Kilometer) geritten ist. Die Vereinigung zählt über 100 Mitglieder aus 19 Nationen.

Lieber Pferdefreundin, lieber Pferdefreund!

Das Halten eines Pferdes und das Reiten "im Grünen" ist nach wie vor ein beliebtes Hobby. Leider ist aber auch der Landschaftsraum in der Ballungsrandzone des Kreises Unna ein knappes Gut. Hier müssen unter anderem die Land- und Forstwirtschaft, die Interessen anderer Erholungssuchender, wie Wanderer und Radfahrer und besonders auch die Naturschutzbelange ebenfalls ihre Berücksichtigung finden. Das hat den Gesetzgeber veranlaßt, Regeln für das Verhalten in der freien Landschaft und im Walde aufzustellen. Rechtsgrundlage für das Reiten in Nordrhein-Westfalen ist das Gesetz zur Sicherung des Naturhaushaltes und zur Entwicklung der Landschaft, kurz Landschaftsgesetz genannt. Dennoch bestehen immer noch Unsicherheiten, unter welchen Voraussetzungen und wo geritten werden darf. Der Fachbereich Natur und Umwelt möchte deshalb mit dieser Broschüre versuchen, allen Reiterinnen/Reitern den Umgang mit den rechtlichen Rahmenbedingungen zu erleichtern, um so zu einem gedeihlichen Mit- und Nebeneinander aller Erholungssuchenden und zu einem umweltverträglichen Verhalten beizutragen.

  1. Für das Reiten auf öffentlichen Straßen und Wegen ist die Straßenverkehrsordnung maßgebend. Für Reiter/Innen gelten deshalb die für den gesamten Fahrverkehr einheitlich bestehenden Verkehrsregeln und Anordnungen sinngemäß. Reiter/Innen müssen daher die Fahrbahn benutzen, sofern für sie nicht Sonderwege bestehen. Es ist ihnen nicht gestattet, öffentliche Gehwege zu benutzen.
  2. Das Landschaftsgesetz findet für das Reiten auf privaten Straßen und Wegen Anwendung. Was sind private Straßen und Wege ? Dies sind alle Verkehrsflächen, die nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmet sind; über die Straßenwidmungen können im Zweifel die örtlichen Ordnungsämter Auskunft erteilen. Als private Straßen und Wege sind im übrigen nur solche Flächen und Wege anzusehen, die nach Anlage oder Zustand erkennbar für den Verkehr bestimmt sind. Hierzu zählen z.B. nicht Feldraine, Böschungen, Waldschneisen, Rückegassen, Schleifspuren, Wildwechsel, Leitungstrassen und Trampelpfade. Die Reitbefugnis gilt auch nicht für private Straßen und Wege, die zu Gärten, Hofräumen, zum privaten Wohnbereich oder zu einem gewerblichen oder öffentlichen Betriebsgelände gehören. Dies gilt auch dann, wenn ein sonst zugänglicher Weg durch eine der vorgenannten Flächen unterbrochen wird.
  3. Die Reitbefugnis auf den privaten Straßen und Wegen darf nur zum Zwecke der Erholung ausgeübt werden. Auf Fußgänger ist dabei besondere Rücksicht zu nehmen. Das Reiten erfolgt im übrigen auf eigene Gefahr. Reitsportliche Veranstaltungen (organisierte Wettkämpfe) sind also im Rahmen der Reitbefugnis des Landschaftsgesetzes nicht zulässig. Für das zulässige Reiten besteht weder für den Grundstückseigentümer oder -besitzer noch für die öffentliche Hand eine Verkehrssicherungspflicht. Dies gilt auch für gekennzeichnete Reitwege.
  4. Das Reiten in der freien Landschaft ist auf den privaten Straßen und Wegen gestattet. Dies gilt auch für markierte Wanderwege und -pfade, wenngleich hier besondere Rücksicht und Vorsicht auszuüben ist.
  5. Das Reiten im Walde ist zunächst einmal grundsätzlich nur auf den gekennzeichneten Reitwegen gestattet. Für Gebiete mit regelmäßig nur geringem Reitaufkommen können allerdings Ausnahmen zugelassen werden. Diese sogenannte Freistellungsregelung hat zum Inhalt, dass auf die Kennzeichnung von Reitwegen verzichtet wird und doch das Reiten unabhängig von Reitwegen auf privaten Straßen und Wegen zulässig ist. Der Kreis Unna hat großzügig von der Möglichkeit der Freistellungsregelung Gebrauch gemacht. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Kreis Unna den umgekehrten Weg gegangen ist und die Waldgebiete benannt hat, in denen die Freistellungsregelung nicht gilt und in denen folglich nur auf ausgewiesenen Reitwegen geritten werden darf. Es handelt sich um folgende Waldgebiete im Kreis Unna: - Schwerter Wald, Waldgebiet "Am Ebberg" und die "Bürenbrucher Waldungen" im Stadtgebiet Schwerte In folgenden Waldgebieten ist das Reiten untersagt: - Beverseewald und Waldgebiet "Römerlager" in Bergkamen (wegen Vorranges des Naturschutzgebietes bzw. Bodendenkmales sind hier keine Reitwege ausgewiesen) - Waldgebiet "Alstedder Mark" in den Stadtgebieten Selm und Lünen (es handelt sich überwiegend um munitionsverseuchtes Gelände) Die genauen Grenzen können dem Kartenanhang dieser Broschüre entnommen werden.
  6. Grundsätzlich darf im Wald auf markierten Wanderwegen und Wanderpfaden sowie Sport- und Lehrpfaden nicht geritten werden. Hier zu Ihrer Information die vom Sauerländischen Gebirgsverein verwandten Markierungszeichen für Wanderwege: In freigestellten Waldgebieten ist es ausnahmsweise zulässig, Wanderwege zugleich auch als für Reiter mitbenutzbar zu kennzeichnen. Als Kennzeichen wäre ein weißes Hufeisen zu verwenden. Vorab sind jedoch der Sauerländische Gebirgsverein, die zuständige Forstbehörde, die betroffene Gemeinde, die Waldbesitzer und die Reiterverbände anzuhören.
  7. In Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und geschützten Biotopen nach § 62 LG sowie innerhalb geschützter Landschaftsbestandteile ist das Reiten außerhalb von Straßen und Wegen verboten. Die Schutzgebiete und -objekte können entweder in den Landschaftsplänen des Kreises Unna nachvollzogen werden. Karten und Texte liegen beim Fachbereich Natur und Umwelt zur Einsicht bereit oder können auch erworben werden.
  8. Wer in der freien Landschaft oder im Wald reitet, muß ein gut sichtbares, beidseitig angebrachtes gültiges Reitpferde-Kennzeichen führen. Die Kennzeichnungspflicht gilt auch für das Reiten auf öffentlichen Straßen. Wichtig ! Das Kennzeichen bezieht sich auf den Halter des Pferdes. Dieser hat dafür zu sorgen, dass jeweils aufgezeichnet wird, wer mit seinen Pferden geritten ist; er hat der zuständigen Landschaftsbehörde die Aufzeichnung auf Verlangen vorzulegen. Dies ist wichtig, wenn es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Das Kennzeichen ist beidseitig gut sichtbar am Zaumzeug des Pferdes anzubringen. Die "Reiterplakette" ist jährlich zu erneuern. Nur dadurch behält das Kennzeichen seine Gültigkeit. weißes Liegekreuz, nur für Hauptwanderwege (HW) weiße Raute, nur für Bezirkswanderwege weißes offenes und weißes gefülltes Quadrat weißes offenes und weißes gefülltes Dreieck weißes waagerechtes Rechteck und weißer Doppelstrich weißes Z und weißes U weiße Wolfsangel und weißes auf den Kopf gestelltes T weißer Kreisring für Rundwanderwege um Orte (evtl. mit Anfangsbuchstaben des Ortes im Kreisinnern) weiße arabische Zahlen oder schwarze arabische Zahlen auf weissem Spiegel weißer Buchstabe und weiße arabische Zahl oder schwarzer Buchstabe und schwarze arabische Zahl auf weißem Spiegel für Rundwanderwege ausgehend von Wanderparkplätzen 6
  9. Mit Ausgabe des Kennzeichens oder des jährlich zu erneuernden Aufklebers wird die Reitabgabe durch die Untere Landschaftsbehörde eingezogen. Diese Abgabe beläuft sich auf 25,00 Euro, für Reiterhöfe auf 75,00 Euro je Kennzeichen und Kalenderjahr zzgl. Verwaltungsgebühren. Reiterhöfe in diesem Sinne sind Einrichtungen, die Pferde für das Reiten in der freien Landschaft und im Walde bereithalten und vermieten. Neben der Reitabgabe sind noch in geringem Umfang Gebühren und Auslagen zu zahlen. Die Einnahmen aus der Reitabgabe gehen nicht in den allgemeinen öffentlichen Haushalten unter, sondern sind zweckgebunden für die Anlage und Unterhaltung von Reitwegen einschließlich der Anbringung, Unterhaltung und Entfernung von Verkehrszeichen. Ferner wird die Reitabgabe zur Abgeltung von Schadensersatzansprüchen herangezogen, wenn durch den Reitverkehr ein "nicht nur unerheblicher Schaden" entstanden ist. Das Reitabgabeaufkommen wird zentral bei der Bezirksregierung Arnsberg verwaltet. Von dort werden die Gelder für Ausweisung und Instandsetzung von Reitwegen auf Antrag hin zugewiesen. Auf Wunsch ist der Fachbereich Natur und Umwelt gerne bereit, Auskünfte über die Verwendung der Reitabgabe im Kreis Unna zu geben.

Gelder aus der Reitabgabe können auch der 

  • Provinzial-Verband Westfälischer Reit- und Fahrvereine e. V. und 
  • der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Vereinigung der Freizeitreiter in Deutschland e.V. erhalten. Die Förderrichtlinien können bei Bedarf beim Fachbereich Natur und Umwelt angefordert werden.
  1. Dort wo es geboten und aufgrund der öffentlichen und privaten Belange konfliktfrei möglich war, hat der Kreis Unna in den vergangenen Jahren sowohl im Wald als auch in der freien Landschaft Reitwege angelegt. Insgesamt machen sie eine Länge von 20 km aus. Da es sich um "Gebotswege" handelt, müssen Reiter/Innen diese Wege in den fraglichen Erholungsräumen benutzen. An dieser Stelle seien die Wege kurz vorgestellt, den genauen Verlauf entnehmen sie bitte dem beigefügten Kartenanhang: 
  • Im Stadtgebiet Schwerte wurden im Bürenbrucher Wald, im Schwerter Wald und im Waldgebiet "Am Ebberg" jeweils Rundwege angelegt. 
  • Entlang der gesamten stillgelegten Bahnstrecke Unna-Königsborn/Welver ist beginnend an der Hammer Straße in Unna bis hin nach Bönen-Bramey-Lenningsen ein Reitweg angelegt worden. Neuerdings besteht durch ein neu geschaffenes Reitwegestück in Unna-Mühlhausen die Möglichkeit, von Unna-Lünern in das Reitwegenetz zu gelangen, ohne über die relativ stark befahrene Nordlünerner Straße reiten zu müssen. 
  • Ein Reitpfad parallel zu einem Wanderweg verbindet in Werne-Langern Wirtschaftswege in der freien Landschaft miteinander und ermöglicht so einen Rundkurs.

Der Fachbereich Natur und Umwelt hofft, dass mit dieser Broschüre die wichtigsten Fragen beantwortet werden konnten. Im Detail und in der täglichen Praxis werden sicherlich noch weitere Einzelfragen auftauchen.

Als Ansprechpartnerin steht Ihnen hierzu

Frau Martina Giec Fon (0 23 03) 27 – 20 69

zur Verfügung.